Die Prüfung - Teil 2 - Sarunas virtuelle Welt

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Die Prüfung - Teil 2

Geschichten > Die Prüfung

Eine Fantasy-Geschichte von Saruna
- Juli 2010 -


„Für diese Gedanken bleibt später noch Zeit. Konzentrier dich lieber!"

Elomirs Ratschlag war für Loahalh kaum noch wahrzunehmen, so tief befand er sich schon in seiner Trance. De Eingang zur Höhle war zu finden, um weitere Aufgaben zu  lösen. „Keine Sorge, ich werde dich unterstützen!" Der Elbenstab leuchtete lichtblau auf und ein weiterer Sternenregen wurde versprüht.

„Da, ja genau dort!" Loahalh konnte es gar nicht fassen, dass er den Spalt nicht schon vorher bemerkt hatte. Drei Mal streifte er mit seinen Elbenstab über die winzigen Spalten. Laut knarrend und zischend öffnete sich die Höhlentür um einen kleinen Spalt. Nun war wieder Körperkraft gefragt. Angestrengt drückte er sich mit vollem Körpergewicht dagegen und atmete tief dabei aus, wie er es während der Krafttrainingsstunden gelernt hatte.

„Lange nicht mehr hiergewesen, aber nichts vergessen!" Elomir lachte leise vor sich hin. „Pass auf, die Prüfung wird ein Spaziergang!"
Loahalh konnte und wollte es nicht glauben. Zu viel hatte er schon über diese Prüfung gehört.  „Papperlapapp – alles Ammenmärchen! Verlass dich auf mich und auf das von dir Erlernte. Du hast doch gelernt – oder?"
Eilig nickte der Prüfling, um dann ein klares Ja zu denken. Er konnte es immer noch nicht fassen, einen sprechenden Elbenstab an seiner Seite zu haben. Ihm lagen noch so viele Fragen auf der Zunge, aber Vorrang hatte nun die neue Aufgabe.

„Nharhoman hat sich mit mir abgesprochen, dass ungewöhnliche Ereignisse ungewöhnliche Maßnahmen erfordern. Er kannte dich sehr gut, denn normalerweise kann ein Sohn nicht so ohne weiteres den Elbenstab des Vaters erben." Jetzt wusste der junge Mann auch, wie geschickt sein alter Lehrer dafür gesorgt hatte, dass ihm genau diese Kindheitserinnerung wieder durch den Kopf schoss, in der er 2 Jahre alt war und noch einen engen Kontakt zum Vater hatte. Nur der erwählte Zatir von Zhorothan  war dazu in der Lage, mit anderen Elbenstäben zu kommunizieren.

„Du bist ja ein echter Schnelldenker!" Elomir lachte wieder leise. „So, und nun mach endlich voran! Könnte sonst ungesund werden."
Loahalh zuckte leicht zusammen bei dem Gedanken an die drohenden Gefahren, um deren Einzelheiten er nicht  wusste. Rasch konzentrierte er sich wieder auf die Höhle. Dank dem Elbenlicht konnte er die Umgebung gut erkennen und registrierte dabei, dass die Eingangstür unbemerkt wieder verschlossen und der Eingang nicht mehr erkennbar war.

Die Höhle bestand  nur aus einem kleinen Raum. „Vergiss nicht, es ist die Höhle der Prüfungen, und sie ist voller Magie." Loahalh spürte, dass er diese Magie in sich aufnehmen musste und öffnete seinen Geist voller Vertrauen. Die nächste Aufgabe würde  ihn erwarten, wenn er sich stark genug auf sein inneres Auge konzentrierte.

Allmählich veränderte sich der Raum. Erst der Boden – er wurde weich und moosig, und dann löste sich eine Wand nach der anderen auf.
Riesige Bäume, dichtes Buschwerk und ein strahlend blauer Himmel umgaben ihn.

Zum Abschluss stand der Prüfling inmitten eines wunderschönen Waldes. Er spürte den weichen Waldboden unter seinen nackten Füßen, umkrallte ihn mit seinen Zehen. Es schien fast so, als wolle er sich darin verwurzeln. Aufmerksam schaute er sich um und spürte  das Atmen und Leben des Waldes.
„Ein und Aus! - Ein und Aus!" Er fühlte, wie sich sein Atem immer mehr dem Rhythmus des Waldes anpasste. Er wurde eins mit dem Wald. Loahalh wusste, nie hatte er sich lebendiger gefühlt als in diesem Augenblick.


„Achte auf den Zogelgleiter!" Dort hinten in den Zeigen fühlte er ein leichtes Wippen und das Aufsetzen des Vogels. Ganz langsam und ruhig näherte er sich ihm mit seinem inneren Auge. Das Zoomen funktionierte fast wie bei einem Fernglas,  dachte er so bei sich. Der Zogelgleiter kam näher und wurde schärfer. „Vergiss das Nicken nicht!" machte sich Elomir bemerkbar. Manchmal konnte so ein sprechender Elbenstab nerven. Der junge Mann begann den komplizierten Zogeltanz, eine Art  spezielles Nicken mit Kopf und Schultern, das gleichzeitig eine kreisende Figur beschreiten musste. Das Heikle daran bestand darin, dass er keinen winzigen Fehler machen durfte. Alles musste auch ganz leicht und beschwingt aussehen.

Alle Magierschüler mussten diesen Kurs mehrere Male absolvieren, ehe sie alles sicher beherrschten. Loahalh hatte mit insgesamt 3 Anläufen eine Art Akademie-Rekord aufgestellt. Das allein war schon besonders gewesen. Jedoch mit Nharhoman hatte er  den allerschärfsten Leher an seiner Seite gehabt, der ihn die Übungen immer wieder bis zum Umfallen üben ließ und mehr als streng auf jede winzige Geste achtete. Wie oft hatte er ihn innerlich verflucht und gehasst für diese Trietzerei  und Unnachgiebigkeit. Alle sprachen damals von einem nie dagewesenen Wunder, als er den Kurs bestanden hatte.


Nach zwei Stunden war es endlich geschafft. Der Zogelgleiter erwiderte seinen Tanz mit eigenen Figuren, die so wunderschön ausschauten, dass sich Loahalh gar nicht satt daran sehen konnten. Gleichzeitig ertönte ein märchenhafter Gesang aus einer  anderen Welt. Der junge Mann war sehr bewegt und eine Träne rann seine rechte Wange hinunter. „Wie kann ich dir helfen?" Der Vogel sprach zu ihm und schaute ihn neugierig an. „Besser habe ich den Tanz noch nie von einem Magierschüler  gesehen." Ein kurzes Lächeln huschte über das angespannte Gesicht des Prüflings. Der blaue Vogel zwinkerte ihm fast unmerklich zu. „Sei ganz ruhig nun und sprich! Was ist dein Begehr?"

„Bitte zeige mir den Ort, an dem die jungen Elfen tanzen!" Seine Stimme zitterte leicht, denn von der Antwort hing alles ab. Erhielt er ein Nein, war alles verloren. „Nun gut, warum soll ich so einem besonderem jungen Magier-Prüfling  nicht auch diese Stelle zeigen? Folge mir!" Sprach's und erhob sich elegant in die Lüfte. Loahalhs Geist konnte er dem virtuosen Flieger ohne Schwierigkeit folgen. Er spürte, wie ihn bei jeden Flügelschlag angenehm erschauerte. Es war schon etwas  ganz Besonderes, ein Wald zu sein.


Er verlor jegliches Zeitgefühl, wie lange der Zogelgleiter ihn geleitete. Von weiter Ferne hörte er ein klingelndes Lachen. Der Ton war überirdisch schön und bezaubernd. Jeder, der je eine Elfe lachen gehört hatte, wusste genau, der Klang  war unbeschreiblich. Man und vergass ihn jedoch bis an sein Lebensende nicht. Loahalh lauschte ganz verzückt und plötzlich sah er sie.

Bild Tanzende Jungelfen
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