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Eine Fantasy-
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Es war noch dunkel und der Tag noch nicht erwacht...
Loahalh griff seine Tasche und schlich leise die Teppen hinauf -
"Nein, die Anderen will ich jetzt nicht treffen. Nichts soll mich ablenken." Dafür war er extra zwei Stunden früher aufgestanden. Eine kurze Nacht hatte ihm nichts ausgemacht. Heute endlich würde er aufbrechen zur geheimisvollen Höhle des Roten Berges. Vorsichtig öffnete er die schwere Holztür und schaute sich um. Irgendwie hatte er sich diesen Vorbereitungraum immer viel prächtiger ausgemalt. Stattdessen war es eine karg eingerichtete kalte Steinkammer. Ihn fröstelte ein wenig. Kein Wunder -
Dann fiel ihm ein, dass er für die Prüfung auch kein Haupthaar tragen durfte. Die Prüfungsregel 1 besagte, nur das reine Gewand dürfe der Prüfling tragen und kein Haar durfte seine Haut bedecken.
"Nun gut, wenn's sein muss!" Mit einigem Unbehagen dachte er an die Rasuren zurück und streife sein Prüfungsgewand über. Trotzdem es sich angenehm anfühlte auf seiner Haut, wären ihm Hose und Hemd lieber gewesen.
Plötzlich wehte aromatische getränkte Luft wie ein leichter Schleier ins Zimmer und streifte sanft seinen glattrasierten Arm. Rasch trat er auf den Balkon und atmete ganz tief ein, genoss mit geschlossenen Augen den Duft.
Er liebte diesen Augenblick der Stille, kurz bevor die Vögel mit ihrem Gesang anfingen. Normalerweise war der harte Winter die Zeit der Prüfung, aber für ihn galten heute besondere Regeln -
Gleichzeitig überlegte er, dass er solche Gerüche hier noch nie wahrgenommen hatte, seitdem er seine Ausbildung zum Magier angetreten hatte. Das mag daran liegen, dass der Schülerbereich weit entfernt am entgegengesetzten Ende der Küche lag. Auch gab es für die Schüler nur Kräutertee und den Nährschleim während der Ausbildung. Die einzige Abwechslung bestand in den verschiedenen Sirups, die es zum Schleim dazu gab. Nicht besonders lecker und abwechslungsreich, aber Loahalh und die anderen hatten sich im Laufe der Jahre einfach daran gewöhnt. "Aber wieso kann ich den Duft trotzdem richtig einordnen?" Dann plötzlich kam die Erinnerung daran zurück -
Dann erinnerte er sich plötzlich an Zeiten zurück, die er völlig vergessen glaubte. Er sah sich im Alter von zwei Jahren aufgeregt um seine Eltern herumtoben und rufen: "Ich werde auch der beste Magier des Landes!"
Wie in einem Film sah er ganz deutlich auch das warme Lächeln seiner Mutter und den stolzen Blick seines Vaters. Gleichzeitig schoss ihm durch den Kopf: "Warum denke ich plötzlich an meine Eltern und an diese Zeit, die so lang zurückliegt? Nein, ich will nicht an Vater denken!" Zu schmerzhaft war der Gedanke. Stattdessen versuchte er, sich auf den fernen Wald zu konzentrieren, als er plötzlich eine ihm sehr vertraute Stimme hörte.
"Ach was, von wegen bester Magier -
Sein Begleiter grummelte vor sich hin, während er sich auf den Schemel setzte, aber in seinen Augen blitzte es. Auch der linke Mundwinkel zuckte verräterisch.
"Typisch Nharhoman", dachte der junge Mann und musste ebenfalls schmunzeln. Der Alte hatte mal wieder seine Gedanken gelesen und ihn ablenken ablenken wollen. Nharhoman war der neue Zatir und damit das oberste Mitglied im "Rat der Weisen". Wäre heute nicht seine Prüfung und bestände nicht das alte Band, hätte er sich in Ehrfurcht vor ihm verneigen müssen, als sein Meister den Raum betrat. Doch für Loahalh war er immer noch sein Lehrer und Vertrauter, der ihn all die Jahre sicher durch die Magier-
Über neun Jahre lang hatte der Lehrer fest an seiner Seite gestanden und sich seiner Magierausbildung angenommen. Es war üblich in Fasythar, dass jeder Schüler einen festen Lehrer hatte -
Aus diesem Grunde ließ es sich der neu berufene Zatir auch nicht nehmen, seinen ehemaligen Zögling selber zur Prüfungsstätte zu führen. Nharmhoman lächelte wieder, denn er amüsierte sich immer noch über den Aufstand, den sein Entschluss unter einigen Ratsmitgliedern auslöst hatte. Insbesondere Wolhan, der Zeremonien-
Sicher, er hatte es Loahalhs Vater, dem früheren Zatir, auf dem Sterbebett versprochen, den Jungen bis zum Ende zu betreuen. Denn die Prüfung war lebensgefährlich und konnte auch tödlich enden. Wie tödlich, wusste immer der jeweilige Zatir, und Nharhoman wusste nun, warum sein alter Freund so darauf gedrängt hatte. Rasch hatten beide noch diesen Pakt geschlossen, ehe sein Vorgänger verstarb. Loahalhs Vater war nicht irgendein Freund, sondern sein bester, und dessen kürzlicher Tod traf alle völlig überraschend. Das ganze Land war fassungslos über die Nachricht gewesen, die er überbringen musste.
Seufzend hielt er einen Moment inne, stützte sich auf seinen Stab und gedachte seines toten Freundes. "Schon deshalb will ich ihm noch ein paar Instruktionen mit auf den Weg geben." Gleichzeitig sammelte er seine Gedanken und ordnete sie in den sieben parallelen Ebenen, wie er es tun musste, um konzentriert zu sein.
Außerdem brauchte das Land jeden fertigen Magier für den Kampf, der seit einem Jahr in Zhorothan und Umgebung tobte. Unbekannte waren in ihre friedliche, vertraute Welt eingedrungen. Keiner wusste, wer sie waren und warum sie kamen. Dann im letzten Monat führten die Fremden überraschend ihren Erstschlag durch. Waffen, die bislang keiner kannte und die Angst und Schrecken auslösten. Viele Menschen und auch Magier kamen dabei völlig unvorbereitet ums Leben. So auch der Vater von Loahalh, der in seiner Funktion als Zatir im Nordland unterwegs gewesen war. Es hatte ihn am Hof von Fürstin Albhana getroffen. Sie war eine der vier Führerinnen des Landes; ihr Regierungsgebiet war die nördliche Landesspitze von Zhorhothan. Auch Albhana und viele Leute ihres Gefolges waren bei dem Angriff gestorben.
Loahalhs Prüfung war etwas ganz Besonderes.
Nicht nur, weil ihn der neue Zatir begleitete, sondern auch, weil der Rat seiner dringenden Bitte um Vorverlegung zugestimmt hatte. Vor ihm hatte das noch nie ein Schüler gewagt, und er hatte es nur durch die Unterstützung von Nharhoman geschafft.
Loahalh wusste, dass alle Augen auf ihn ruhen würden, wenn er gleich in den Speisesaal käme. Bei dem Gedanken daran verging ihm umgehend der Appetit. Nein, er wollte keine Fragen beantworten. Nein, er wollte nicht bemitleidet werden. Sicher würde er keinen Bissen herunterbekommen, wenn alle Augen auf ihm ruhten.
Stattdessen wollte er lieber noch ein bisschen meditieren. "1, 2, 3...", sprach Loahalh und schnippte mit Daumen und Ringfinger. Einen Augenblick später befand er sich bereist in einem leichten Trancezustand.
Nharhoman beobachtete seinen Zögling besorgt. Er musste etwas essen, damit er der Prüfung gewachsen war, die nicht nur geistiges Geschick erforderte. "Na, den Gefallen darf ich ihm ja wohl noch erfüllen." Er sprach flüsternd einen Zauber aus. "Tschinnnnggggg!" Der kleine Tisch in der Klause der Prüfung war gedeckt und hatte sich keinen Millimeter bewegt. "Komm frühstücken!" Damit erweckte er ihn aus der Trance. Schließlich wollte er etwas mit diesem Frühstück erreichen und hatte vorhin dafür gesorgt, dass alte Erinnerungen wieder geweckt werden.
Frisch gestärkt machten sich Lehrer und Schüler auf den vorgezeichneten Weg.
Loahalh versuchte, den weiten Schritten seines Lehrers zu folgen, der seine magischen Schuhe trug und damit schneller vorankam. Das mit Morgentau benetze Gras umspielte seine Füße, und so vergaß er bald, dass er keine Schuhe trug. Stattdessen genoss er das leichte Kitzeln an den Füßen und lauschte aufmerksam den Instruktionen seines Lehrers. Endlich waren sie am Roten Berg angelangt. Nharhoman musste nicht lange nach Zeichen suchen. Er wusste im Schlaf, wo der unsichtbare Eingang zur Prüfungshöhle lag.
"Hier ist es. Ich überreiche dir nun Elomir -
Elomir war der beste Elbenstab des Landes und hatte einst Loahalhs Vater gehört. Das jedoch hatte er seinem Schüler verschwiegen. Würde der Stab den Jungen anerkennen? Er wusste, Loahalh war ein besonderer Schüler, wie er ihn in vielen Jahrzehnten noch nie erlebt hatte. Vielleicht lag es an der magischen Verbindung seiner Eltern -
Loahalh stand mit dem Rücken zum Berg und betrachtete aufmerksam den Elbenstab. Plötzlich fiel alle Angst von ihm ab. Erleichtert konzentrierte er sich auf den Elbenstab und beschwörte ihn in Gedanken: "Leuchte Elomir -
Er hielt inne, atmete die würzige Waldesluft tief ein, um sich noch tiefer konzentrieren zu können. Wie gern hätte er in diesem Moment seinen vertrauten Runenring gespürt, aber auch Schmuck war verboten für die Prüfung. Loahalh überlegte; hatte er die Worte vielleicht doch falsch betont? Er wiederholte seine Beschwörung noch intensiver. Sein inneres Auge begann sich zu öffnen. "Leuchte Elomir -
"Loahalh, ich werde nun dein Begleiter sein. Ich schenke dir mein blaues Licht." Der Stab glühte.
"Ich hab es geschafft!" Alle Anspannung fiel von Loahalh ab, Triumph überkam ihn und Erleichterung -
Er hörte ihn lachen und spürte, wie ein Windstoß von der Seite sein Gewand erfasste. "Ja, mein Großer -
"Was wollte Naharhoman damit bezwecken?
